Geschichte

um 1900
Schleußig hat sich vom kleinen Elsterauendorf (1871: 282 Einwohner) zum selbständigen Stadtteil Leipzigs entwickelt (1900: 9162 Einwohner). Großen Anteil daran hatten die Unternehmer Karl Heine und Bernhard Hüffer, die Schleußig planmäßig als Wohnstadtteil für das benachbarte Plagwitzer Industriegebiet ent- wickelten. 1891 wurde bereits die erste Schleußiger Schule (15. Bürgerschule, heute Leipzig International School) in der heutigen Könneritzstraße eröffnet.

1905
Mit der Eröffnung einer hölzernen „Notkirche“ dort, wo heute der Schulhof der 49. Grundschule ist, wird die Selbständigkeit des Stadtteils Schleußig auch geistig vollzogen.

1906
Der Bau einer weiteren Schleußiger Schule neben der Holzkirche wird beschlossen. Zuvor wird die dort befindliche Kleingartenanlage an die Dammstraße umverlegt und ein neuer Spielplatz angelegt. Beides besteht noch heute. Am 12. November erfolgt der Baubeginn für die Schule.

1908
Zu Ostern (13. April) wird die neue Schule als 34. Bezirksschule eingeweiht. Am 16. April ist der erste Schultag. 25 Lehrer und 8 Lehrerinnen unterrichteten 1500 Kinder. Es gab 43 Klassenzimmer, je eine Turnhalle für Jungen und Mädchen, zwei Bibliothekszimmer, Konferenzzimmer, Lehrerzimmer, Fachräume für Physik, Zeichnen, Handarbeit, eine Haushaltschule und sogar ein Brausebad. Mädchen und Jungen benutzten nach damaliger Sitte getrennte Schuleingänge.

1909
Am 6. Februar bricht nach plötzlichem Tauwetter und darauffolgendem Hochwasser ein Damm der Weißen Elster und überflutete weite Teile von Schleußig. Das Schulhaus der 34. Bezirksschule steht zeitweise bis zum ersten Stock unter Wasser. Bis zum 13. Februar muss der Schulbetrieb ruhen. Das neue Schulhaus erleidet Schäden durch Fußbodenabsenkungen im Keller, der Turnhalle und den Eingängen. Wegen Platzmangels wird ein Teil der Fortbildungsschule Lindenau mit in der 34. Bezirksschule untergebracht. In Anspielung auf die zwei Türmchen auf dem Schuldach (und zwei Schuldirektoren unter diesem) witzelt der Volksmund: „Unsere Schule hat zwei Spitzen, Himmel, wenn die sich verfitzen“.

1914 – 1917
Die 34. Bezirksschule wird zeitweise als Kaserne benutzt.

1918 – 1933
In der Weimarer Republik wird die Unterscheidung der Schulen nach Bezirks-, Bürger- und Höheren Schulen aufgehoben. Die Schule erhält die Bezeichnung „49. Volksschule“. Der obligatorische Religionsunterricht wird freiwillig und das Fach Lebenskunde wird eingeführt. Das Übergangsschulgesetz bringt die Selbstverwaltung der Schulen, die Lehr- und Lernmittelfreiheit sowie Lehr- und Elternräte. Viele Schleußiger Bürger widersetzen sich der Einheitsschule und lassen ihre Kinder „standesgemäß“ in anderen Schulen unterrichten. Dadurch ist die 49. Volksschule zeitweise unterbelegt und wird teilweise von der IV. Fach- und Fortbildungsschule und der Wilhelm-Wundt-Schule mitgenutzt.

bis 1933
Die politische Polarisierung der Gesellschaft spiegelt sich in heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Lehrerschaft wider. Die Schule wird zunehmend von faschistischer Ideologie geprägt.

1933
Die Notkirche unmittelbar am Schulgelände wird geschlossen und die Bethanienkirche in der Stieglitzstraße wird eingeweiht.

1943
Am 14.12. wird das Schulhaus bei einem Bombenangriff erstmals beschädigt. Die obere Turnhalle und andere Zimmer werden zerstört.

1944
Im Winter findet bereits kein Unterricht mehr statt. Die Kinder holen dreimal in der Woche Hausaufgaben in der Schule. Am 20.2. treffen erneut Bomben das Schulhaus. Der Brand kann, dank des Einsatzes des Hausmeisters der Schule, gelöscht werden und die unteren Räume der Schule bleiben nutzbar.

1945
Nach Kriegsende (18. April) gibt es Plünderungen auch in der Schule. Das Gebäude wird zeitweise als Gefangenenlager genutzt. Im Oktober beginnt wieder ein eingeschränkter Unterricht, zuerst mit 10 Lehrern, die bald durch Neulehrer (notdürftig angelernte Arbeiter) ergänzt werden.

1946
Im Juni werden 918 Schüler von 16 Lehrern in 26 Klassen unterrichtet. Da nur 18 Klassenzimmer des Schulgebäudes nutzbar sind, findet der Unterricht teilweise in Wohnungen von Lehrern oder Schülern statt. Durch Umsiedler steigt die Schülerzahl schnell auf 1500, die von 33 Lehrern unterrichtet werden. Das Schulhaus ist schwer beschädigt. Das dritte Stockwerk fehlt. Über dem zweiten Stock wird notdürftig ein Dach gebaut, das die darunterliegenden Räume nur unzureichend vor Regen schützen kann. Die Fenster fehlen. Pappen schützen etwas vor Wind und Kälte, verdunkeln aber auch die Klassenzimmer. Der Sportplatz ist zum Gemüsegarten umgestaltet, da Hunger herrscht.

1948
Die Fenster können wieder verglast werden. 31 Lehrer unterrichten 1530 Schüler in 42 Klassen und 26 Klassenzimmern. Wegen der Raumnot wird auch nachmittags unterrichtet. Die „VEB Mitteldeutsche Kamm- garnspinnerei“ (später Buntgarnwerke) wird Patenbetrieb der Schule und soll sie bei der Beseitigung der Schäden unterstützen. Ein Physik- und ein Chemiezimmer werden eingerichtet.

1951
Der Elternbeirat wird gebildet. In vielen Arbeitseinsatzen arbeiten die Schleußiger an der Beseitigung der Schäden am Schulhaus.

1958
Die Schule feiert ihren 50. Geburtstag. Inzwischen gibt es 37 Lehrer, 2 Pionierleiter, Horterzieherinnen, 2 Verwaltungsangestellte, 18 technische Kräfte und ein nebenamtlicher Schularzt für 960 Schüler (davon 120 Mittelschüler) in 28 Klassen.

1970
Die Rekonstruktion des Schulhauses beginnt. Das dritte Stockwerk wird ausgebaut. Das Steildach wird durch eine massive Flachdachkonstruktion ersetzt.

1972
Die umgebaute Schule wird übergeben. Für alle Schulräume gibt es neue Fußböden, Strom, Licht, Waschbecken. Die Heizung und die Sanitäranlagen werden erneuert, ein zentraler Schulhauseingang geschaffen, die Turnhalle modernisiert und eine Bücherei eingerichtet.

1975
Die Schule bekommt den Beinamen „Ho-Chi-Minh-Oberschule“.

1990
Der Schulname „Ho-Chi-Minh“ wird abgelegt. Die Schule ist wieder die 49. Schule

1992
Mit dem Schuljahr 1992/93 wird in Sachsen das dreigliedrige Schulsystem nach westlichem Vorbild eingeführt. Die 48. Schule in der Könneritzstraße wird Gymnasium und gibt ihre Grundschüler an die 49. Schule ab. Damit gibt es jetzt über 500 Schüler (Vorschüler und Grundschüler) in 21 Klassen an der Schule.

1994
Die Schule feiert ihr erstes Schulfest. Es bietet den Kindern ein attraktives Programm. Gleichzeitig wendet es sich auch an die Nachbarn und Eltern, aber vor allem auch an die zukünftigen Schulkinder, die an diesem Tag erstmals Schulluft schnuppern können. Das Schulfest findet aller 2 Jahre im Wechsel mit einer Schulfahrt statt. Der Hof wird umgestaltet und der Spielplatz angelegt.

2003
Die Schulkonferenz beschließt, sich um die Umbenennung der Schule in „Schule am Auwald“ zu bemühen. Einrichtung eines Computerkabinetts.

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